Traumhaftes Wetter und Top Rennen am Salzburgring

Fortsetzungen haben es meist schwerer als die Premiere. Doch auf das zweite Jochen Rindt-Revival am Salzburgring traf diese Regel offensichtlich nicht zu: Bei prachtvollem Spätsommerwetter nutzten mehr als 10.000 Besucher die Gelegenheit, sämtliche Serien des Histo-Cups Austria in Rennaction zu erleben. Während in so mancher Klasse die Vorentscheidung im Kampf um die „Goldene Ananas“ fiel, hätte das Rahmenprogramm locker für eine eigenen PS-Event gereicht: Erstmals seit Oktober 2008 war das Feld der ehemaligen BMW M1 PROCAR Serie fast geschlossen angetreten und ließ auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke im Nesslgraben ihre Sechszylinder-Muskeln spielen. Zur großen Freude von M1-Entwickler Jochen Neerpasch, der dem Jochen Rindt-Revival ebenfalls einen Besuch abstattete, waren in Summe über 50 der bis zu 500.000 Euro teuren BMW-Boliden am Salzburgring zu bestaunen.

Classica Trophy

Mit mehr als 300 historischen Rennfahrzeugen rangiert die zweite Auflage des Jochen Rindt-Revivals am Salzburgring in einer Liga mit dem sensationellen Erfolg beim Saisonopening am neuen Red Bull Ring. Mitverantwortlich dafür ist auch die Classica Trophy, die in Salzburg mit 48 Fahrzeugen vertreten war.

Der „König der Gleichmäßigkeit“ war an diesem Wochenende Bernhard Zimmermann auf Porsche 911, Baujahr 1972: Mit nur 90 Strafpunkten kam er beim ersten Wertungslauf seiner eigenen Richtzeit von 2,29 Minuten am nächsten und holte den Sieg vor dem Team Wilfried Lind/ Michael Platzer (Porsche 944) und Herbert Margreiter/ Connie Aistleitner auf Alfa Spider.

Auf beim zweiten Wertungslauf am Sonntag Vormittag kam Zimmermann unter die ersten Drei, geschlagen lediglich von Manfred Engl/ Auguste Poller (Alfa Romeo Duetto) und den Drittplatzierten vom Samstag, Herbert Margreiter und Connie Aistleitner auf Alfa Spider.

Die beiden „Alfisti“ waren es auch, die im Wertungslauf 3 die Maßstäbe setzten: Mit 46 Strafpunkten gewannen sie hauchdünn vor Bernhard Zimmermann (Porsche 911, 47 Punkte) und dem Duo Lind/Platzer (Porsche 944, 92 Punkte).

Histo-Cup Anhang K

Im ersten Rennen der Anhang K-Piloten feierten die Gaststarter der BMW M1 Procar-Piloten einen Doppelsieg: Gabriel Geissler siegte vor seinem Markenkollegen „Luke Bullit“, auf Platz 3 folgte mit Respektabstand Michael Sares (Porsche 911 RSR). In der Kategorie bis 2000ccm triumphierte wieder einmal Dieter Karl Anton mit seinem Ford Escort BDA, bei den 1600ern setzte sich Günther Kaltenbrunner (Lotus Elan) durch. In der „kleinen Klasse“ bis einen Liter Hubraum setzte Trabant-Pilot Steffen Grossmann seine Siegesserie fort und gewann vor Bernhard Deutsch, Steyr Puch 650 TR und Thomas Kaiser, Mini 1000. Die V8 Historic nach Anhang K gewann der Niederösterreicher Christian Schallenberg, Ford Falcon vor Max Hug und Manfred Petschnig, beideChevrolet Camaro.

Auch das zweite Rennen am Sonntag Vormittag sah einen Doppelsieg der Procar-Cracks Geissler und „Luke Bullit“. Hinter den beiden 470-PS-Kanonen platzierte sich der unverwüstliche Dieter Karl-Anton auf dem Stockerl und machte sich damit vorzeitig zum Meister des Jahres 2011. In der Klasse bis 2000ccm platzierten sich Kurt Ploier und Florian Kammerstätter, beide BMW 320-4 hinter dem frischgebackenen Champion. Günter Kaltenbrunner und Steffen Grossmann wiederholten jeweils ihre Klassensiege.

Histo-Cup Spezialtourenwagen

Auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke Salzburgring war gegen die schiere PS-Power der V8 Historic-Boliden erwartungsgemäß kein Kraut gewachsen: Bereits im Quali lagen mit Roger Bolliger, Hubert Färber und Marcus Bereuter gleich drei Hubraum-Giganten der V8 Historic voran. In dieser Manier ging’s auch in den Rennen weiter: Hubert Färber auf Shelby Mustang war der Konkurrenz an diesem Tag eine Spur zu stark: Mit einem Topspeed von 270 km/h raste er bei beiden Rennen aufs oberste Podest. Dahinter konnten Klaus Möst, BMW 320 Gruppe 5 und Christian Schneider, Alfa Romeo GTV 6 die Phalanx der V8 brechen und platzierten sich sensationell jeweils auf den Plätzen 2 bzw. 3.

Die weiteren Klassensieger (jeweils in beiden Rennen): bis 1.300: Steffen Grossmann (Trabant), bis 1.600: Hans Fink (Alfasud Sprint), bis 2.000: Norbert Müller (Alfa Romeo GTV), bis 2.500: Toni Schell (Ford Escort RS 2000), bis 4.000: Klaus Möst (BMW 320 Gruppe 5).

Young Timer

Bei den Young Timer Piloten stand mit dem Oberösterreicher Norbert Lenzenweger der Gesamtsieger schon vor dem Wochenende so gut wie fest: Dahinter bahnte sich ein Duell zwischen Lenzenwegers Teamchef und Teamkollegen Markus Fink (BMW M3 E30) und Alex Gumpenberger (Alfa 75) an. Im ersten Lauf lief für das BMW-Duo noch alles optimal: Unter dem „Schutz“ seines Markenkollegens holte sich Markus Fink den Sieg in der Klasse bis 3.000ccm und hielt so die Chance am Leben.

Gumpenberger wiederum entschied die Klasse bis 2.000ccm für sich. An der Spitze setzte sich der Wiener Markus Weege, BMW M3 GTR E46 nach tollem Kampf knapp gegen Herwig Duller und Gaststarter Richard Weber, BMW M3 E30 DTM durch. Die große Klasse über 3.500ccm gewann Heinz Bayer, Porsche 996 vor Kurt Gföhler Audi V8 Star und Roland Luger, Opel OMEGA DTM.

Das zweite Rennen am Sonntagabend war dann beste Werbung für den Motorsport: Praktisch über die gesamte Distanz lieferten sich vier Piloten beinharte, aber faire Rad-an-Rad-Duelle. Schließlich hatte Markus Weege erneut die Nase vorne, auf Platz zwei Roland Luger und Heinz Bayer. Markus Fink verspielte seine rechnerischen Chancen auf den Vizemeistertitel mit einem Ausritt in der Start-Ziel-Schikane, hinter dem frischgebackenen Young Timer-Gesamtsieger Norbert Lenzenweger, BMW M3 E30 ist Alex Gumpenberger nun praktisch uneinholbar auf Platz zwei der Gesamtwertung. In seiner Klasse musste sich Gumpenberger lediglich Andreas Mairzedt, Honda Civic R geschlagen geben. Für bange Momente sorgte derweil Herwig Duller: Beim Anbremsen auf die Fahrerlagerkurve brach dem Kärntner die rechte Vorderachse am BMW M3 GTR und schlug heftig in den Reifenstapeln ein. Das Auto hat nur mehr Schrottwert, Duller kam Gottlob mit dem Schrecken davon.

Formel Historic

Bei den waghalsigen Formel Historic-Piloten holte Robert Stefan (March, Formel V) zweimal den Gesamtsieg. Auf den Plätzen folgten im ersten Rennen am Samstag mit Roland Wiltschegg und Franz Guggemos gleich zwei Formel 3-Ralt Fahrer, beim zweiten Lauf am Sonntag holte sich Franz Guggemos den zweiten Rang vor Walter Skopik ebenfalls auf einem Ralt Formel 3.

In der Kategorie der Formel Ford setzte sich in beiden Läufen Manfred Schneider (Van Diemen) vor Winfried Kallinger (Merlyn) und Richard Grafinger (Lotus 51) durch. Die Gesamtwertung der Formel Historik hat nun der Wiener Winfried Kallinger an Land gezogen.

BMW Challenge, Gruppe A

Bei den Gruppe A Piloten der BMW Challenge reiste Dietmar Lackinger mit einer komfortablen Tabellenführung im Gepäck an den Salzburgring. Sein erster Verfolger in der Tabelle, der junge Salzburger Georg Steffny, lag bereits 33 Zähler zurück. Im ersten Lauf ließ Lackinger noch seinem Konkurrenten Michael Hollerweger den Vortritt und holte mit dem souveränen zweiten Platz wichtige Punkte. Franz Grassl komplettierte das Podium, der aufopfernd kämpfende Georg Steffny vom Team Toyo Tires holte mit Rang vier das Maximum heraus, die Motorleistung war von „Schwund“ gekennzeichnet.

Im zweiten Lauf war dann die große Stunde Lackingers gekommen: In einem regelrechten Fotofinish setzte er sich um 9 Zehntelsekunden gegen Michael Hollerweger durch und holte vorzeitig den Meistertitel in der Gruppe A. Die Entscheidung im Kampf um den Vizemeistertitel zwischen Steffny und Grassl wurde hingegen auf Monza vertagt. Der Salzburger liegt noch 2 Punkte vor dem Berchtesgadener Routinier.

BMW Challenge, Gruppe N

An Spannung kaum zu überbieten ist der Titelkampf in der Gruppe N: Sascha Halek, als Tabellenführer nach Salzburg gekommen, verlor im Kampf um den Titel etwas an Boden: Vor allem Christian Walleit, mit den Rängen 2 hinter Gastfahrer Harald Grohs und 1 in Salzburg souverän, holte in der Meisterschaft auf. Dem dritten Piloten im Titelkampf, Patrick Stimmeder, wurde nach einem zweiten Platz im ersten Lauf wegen unsportlichen Verhaltens 30 Strafsekunden aufgebrummt und wurde somit punktelos nur Elfter. Im zweiten Lauf verursachte er dann einen Unfall und fiel aus.

So kommt es, dass am letzten Rennwochenende Ende September zum großen Showdown im Zweikampf um die Meisterschaft zwischen Sascha Halek und Christian Walleit kommt.

Vorschau Saisonfinale

Nach den gelungenen Motorsport-Festspielen in Salzburg reist der Histo-Cup-Tross nun weiter nach Italien, wo am Wochenende vom 23. bis 25. September im Königlichen Park von Monza das Saisonfinale 2011 über die Bühne gehen wird.